SUPERDEMOKRATIE - Der Senat der Dinge

Drei Kulturinstitutionen werden im Oktober während der Ausstellung SUPERDEMOKRATIE mit dem belgischen Senat im Dialog stehen. BPS22 in Charleroi, BOZAR in Brüssel und M HKA in Antwerpen geben der aktuellen Problematik des Senats eine kulturelle Dimension

1.10.2017 - 31.10.2017

Marina Abramović & Ulay

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In 1975 begegnen sich Marina Abramović (°1946, Belgrad, Serbien) und Ulay [Pseudonym für Uwe Laysiepen] (°1943, Solingen, Deutschland). Bis 1989 wohnen und arbeiten sie zusammen und testen sie ihre eigene sowie die physische und mentale Ausdauer des anderen in Performances. Vor ihrer Begegnung experimentierten sie jeweils getrennt mit diesem Medium. Die allerersten Performances von Marina waren von einer gewalttätigen Tendenz geprägt. In 1974 lässt sie sich beispielsweise vom Publikum mit verschiedenen Folterwerkzeugen misshandeln (Rhythm 0, 1974]. Auch Ulays früheres Werk besteht aus Performances und Polaroid-Fotos, wobei Identität und Verfremdung im Mittelpunkt stehen.

Ihre künstlerische Zusammenarbeit gestaltet sich in verschiedenen Performances, in denen sie zunächst die Möglichkeiten ihrer künstlerischen und amourösen Beziehung untersuchen. Alle diese Performances fallen unter den Nenner Relation Works (1976-1981). In 1977 sitzen sie beispielsweise siebzehn Stunden lang mit den Rücken gegeneinander gekehrt und mit den Haaren zusammengebunden (Relation in time, 1977).

Die Anwesenheit des Publikums während einer solchen Performance ist für beide Künstler wichtig und verleiht ihnen Kraft. Ab den achtziger Jahren wendet sich ihr Interesse von der persönlichen Beziehung hin zur Eigenheit kultureller Interaktionen. Zusammen reisen sie um die Welt und untersuchen verschiedene Kulturen. Dies resultiert in einer zweiten Reihe von Performances, in denen mehr universelle Themen behandelt werden. Symbolik wird in ihrem Werk eingeführt. Ihr letztes gemeinsames Projekt The Lovers (1988) ist eine Kombination aus der relationalen und interkulturellen Untersuchung. Drei Monate lang machen sie eine Wanderung auf der Chinesischen Mauer, wobei sie jeweils auf der anderen Seite starten und aufeinander zugehen. Bei ihrer Begegnung in der Mitte nehmen sie für immer Abschied voneinander. Seitdem gehen sie ihren eigenen Weg und machen jeweils individuelle Werke.

Nach diesem Bruch widmet sich Abramović Skulpturen aus fremden Materialien, auf die das Publikum liegen, sitzen oder stehen kann. Der Zuschauer, der damit in Kontakt kommt, wird mit Energie aufgeladen. Ulay macht in den letzten Jahren Fotoserien, darunter Porträts von afroamerikanischen Obdachlosen in New York und zeitgenössische Vanitas-Stillleben mit Alltagsgegenständen.